«Kinder der Toten» nach Elfriede Jelinek im Kino

Zombies in der Steiermark: Der Film «Kinder der Toten» nach dem gleichnamigen Roman der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist jetzt im Kino. Die österreichische Produktion feierte Premiere auf der Berlinale, wo sie mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet wurde. Verantwortlich für die Verfilmung zeichnen die New Yorker Theatermacher Pavol Liška und Kelly Copper, die sich zum Performance-Duo «Nature Theater of Oklahoma» zusammengeschlossen haben. Im Auftrag des «steirischen herbstes» hatten sie bereits 2017 ein szenisches Konzept zu Jelineks «Kinder der Toten» von 1995 entwickelt. Es produzierte die Ulrich Seidl Filmproduktion.

«Mich tröstet nur der Anblick anderer Menschen, die noch mehr leiden als ich»: In körnigem Super-8-Format stehen in Neuberg in der Steiermark die Toten wieder auf. Sie schaufeln sich durch den Erdboden nach oben, befreien sich aus der Leichenstarre und formieren sich zu einer skurrilen Zombieparade. Unter ihnen ein depressiver Förster, eine syrische Dichterfamilie, aber auch Vertreter der österreichischen Prominenz, wie etwa der 1970 verunglückte Formel-1-Fahrer Jochen Rindt. Es wird getanzt, gemordet und mit toten Fischen geworfen. Dialoge gibt es in «Kinder der Toten» keine, dafür aber wegweisende Zwischentitel à la Tarantino. Auf sowohl absurde als auch beklemmende Weise thematisiert der Film den wiederkehrenden Rechtsruck und Antisemitismus am Beispiel der österreichischen Idylle vor pittoresker Alpenkulisse. Hier trifft Heimatfilm auf Groteske und Home Movie Horror.

Mit: u.a. Andrea Maier, Greta Kostka, Klaus Unterrieder, Georg Beyer.

Fotos:
© Ditz Fejer
© Stadtkino Filmverleih
«Kinder der Toten» nach Elfriede Jelinek im Kino

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