Ein «Tatort» auf der Frankfurter Buchmesse: «Der Fall Holdt».

Ein Mann stürzt aus seiner
bürgerlichen Welt in einen tiefen Abgrund. Es ist der tiefe Fall des Frank Holdt, dessen Frau
Opfer einer undurchsichtigen Entführung wird. Seine bürgerliche Existenz basiert auf dem
Geld der Schwiegereltern, sein Job als Filialleiter einer Bank ist kaum mehr als Fassade dieses
Lebens. Die Hauptkommissarin Charlotte Lindholm, die in den Fall eingeschaltet wird, ist
seine perfekte Antithese. Sie ist distinguiert, selbstständig, stark, eine Aristokratin ihrer
Zunft, in der es vor Bürgerlichkeit und Bürokratie nur so wimmelt.
Den neuen NDR-«Tatort«, geschrieben von Jan Braren und inszeniert von Anne Zohra
Berrached, präsentiert die ARD am Messe-Mittwoch in Frankfurt. Zuvor erlebt «Der Fall
Holdt» seine Uraufführung Mitte September auf dem Filmfestival Oldenburg, erst im
Programmkino Casablanca, einen Tag später in der JVA.
Maria Furtwängler gelingt in ihrer Rolle Charlotte Lindholm ein Bravourstück. «In einer
genialen Eröffnungssequenz wird sie geprügelt und gedemütigt in die Story geworfen, so
dass sie, als sie auf Holdt trifft, all das in ihm erkennt, was sie für ihr Leben fürchtet. Wir
spüren, dass diese traurige Gestalt eines bürgerlichen Mannes zur perfekten
Projektionsfläche ihrer Ängste und Unsicherheiten wird», erkannten die Oldenburger
Festivalmacher und kamen zu dem Schluss: «Einer der klügsten und intensivsten deutschen
Kriminalfilme seit langer Zeit.»

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