David Safier: «Warum ich Marcus Hertneck so sehr schätze»




Wir alle, die in dem Business des Filmemachens sind, werden nur noch recht selten von einer Geschichte überrascht. Doch Marcus Hertnecks Drehbücher überraschen mich immer wieder, weil er eine ganz eigene Sprache besitzt.

Er schreibt hinreißende Dialoge, bei denen ich denke: «Okay, auf diese Sätze wäre ich in tausend Jahren nicht gekommen!» Ihm gelingt es ganz spezielle Geschichten zu erschaffen wie seine «Reif(f) für die Insel»-Reihe, für die er derzeit die sechste Folge schreibt und die eine Art Hidden Champion in der ARD ist. Eine Reihe ohne die ganz großen Stars, die ihr Publikum im besonderen Maße der Kraft ihrer Drehbücher verdankt. Aber Hertneck kann nicht nur preisnominierte Komödien wie «Der Butler und die Prinzessin» oder preisgekrönte Märchenverfilmungen wie «Die Schöne und das Biest» verfassen, er kann auch Dramen. Historische. Kontemporäre. Über Menschen. Voller Wärme. Voller Gefühl. Wie zum Beispiel sein augenblicklich entstehender Roman «Der Deserteur», der von einem jungen schwäbischen Soldaten im ersten Weltkrieg erzählt, der für seine große Liebe von der Front desertiert.

Hertneck ist ein Autor sui generis, ein Autor ganz eigener Art. Im Gegensatz zu so manchem Autor, der recht eigenartig ist, aber dennoch schreibt wie alle anderen, verleiht Hertneck jedem Stoff einen ganz eigenen Zauber. Dabei tanzt er jedoch, schreibt er für eine fremde Reihe, nie aus derselbigen, er stellt sich mit seinem Talent in ihren Dienst, ohne sich als Autor zu verlieren.

Wer sich mit Marcus Hertneck unterhält erlebt, dass er nicht nur seine Figuren liebt, sondern auch die Menschen, mit denen er arbeitet. Und, ganz ehrlich, wie viele Künstler oder Macher gibt es in unserer Branche, die nach über zwanzig Jahren im Beruf, nicht desillusioniert sind, sondern so wie Marcus Hertneck sich auf jedes neue Projekt freuen und auf die Begegnung und den Austausch mit dem Gegenüber?

Besonders beeindruckend ist für mich, dass Hertneck über so viele Dinge so viel mehr weiß als ich: Theologie, Philosophie, Kunst, das Schwabenland. Er hat Philologie und Theaterwissenschaften studiert, als Kritiker für die «Süddeutsche» gearbeitet, doch er hegt keinerlei Dünkel gegen Unterhaltung, sondern hat unbändige Freude an ihr. So grundiert schreibt Hertneck jene Sorte von Stoffen, die ich am liebsten schaue oder lese, egal ob es sich dabei um Komödien handelt oder Dramen: Unterhaltende Geschichten, die uns das positive Potential der Menschen zeigen. Und das ist es, was ich am allermeisten an ihm schätze.




© Text: David Safier; Bild: ARD Degeto/Gordon Photography/Gordon Muehle
David Safier: «Warum ich Marcus Hertneck so sehr schätze»

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