Von der Bühne vor die Kamera: Daniel Kehlmanns «Heilig Abend»

Ein Polizist, eine Terrorverdächtige und eine tickende Uhr: Daniel Kehlmanns Theaterstück «Heilig Abend» spielt an einem 24. Dezember um exakt 22:30 Uhr. Eine Philosophieprofessorin wird auf dem Weg zum weihnachtlichen Familienessen festgenommen. Sie soll eine Bombe gelegt haben, die um Mitternacht explodieren wird. Dem Polizisten bleiben 90 Minuten, um zu ermitteln, wo die Bombe – wenn es sie denn gibt – deponiert wurde und diese zu entschärfen. Das Verhör entwickelt sich zum fesselnden Duell zwischen System und Systemkritik. In Echtzeit behandelt das Kammerspiel nicht nur die offensichtlichsten Fragen, ob die Bombe denn existiert und ob die Beschuldigte sie gelegt hat, sondern auch eine viel komplexere: Wie verhalten sich Terror und soziale Ungerechtigkeit zueinander? Die Antworten bleiben bis zum Ende offen.
«Heilig Abend» wurde am 2. Februar 2017 am Theater in der Josefstadt in Wien uraufgeführt.

Regisseur Matti Geschonneck («In Zeiten des abnehmenden Lichts», «Unterleuten») verfilmt den Stoff jetzt unter dem Titel «Das Verhör in der Nacht» für das ZDF. Das Drehbuch zur filmischen Adaption schreibt Daniel Kehlmann selbst. Für die weibliche Hauptrolle ist Sophie von Kessel vorgesehen, die bereits in der Münchner Inszenierung des Stücks auf der Bühne stand. Charly Hübner soll die Rolle des verhörenden Polizisten übernehmen.
Das dem Werk zugrunde liegende Dilemma zwischen Freiheit und Sicherheit könnte aktueller kaum sein: «Einerseits der Polizist, der sagt, ich muss die Menschen beschützen vor dem Terror, und andererseits die Professorin, die sagt, die Welt ist so furchtbar und das System an sich so gewalttätig, dass jeder Widerstand gegen dieses System seine Berechtigung hat», so Kehlmann. Inspiriert zu «Heilig Abend» hätten ihn sowohl die Enthüllungen Edward Snowdens, als auch die Terroranschläge in Paris und Brüssel.

Die Dreharbeiten zu «Das Verhör in der Nacht» sollen noch diesen Herbst in Berlin beginnen. Produziert wird der Film von Reinhold Elschot und Silke Pützer von Network Movie Hamburg. Für die Kamera ist Judith Kaufmann («Der Junge muss an die frische Luft») verantwortlich, das Szenenbild übernimmt Silke Buhr («Bad Banks»).