Eva und Volker A. Zahn: Robert Geisendörfer Preis für «Das Leben danach» und Juliane Bartel Medienpreis für «Zarah – Wilde Jahre»

Der Robert Geisendörfer Preis 2018 wurde in der Kategorie «Fernsehen» an den Film «Das Leben danach» verliehen. Ausgezeichnet an dem u.a. bereits für den Grimme-Preis 2018 nominierten Film über die Tragödie der Duisburger Loveparade wurden das Drehbuch von Eva Zahn und Volker A. Zahn sowie die Regie Nicole Weegmanns.

«Aber die, die tot sind, das sind die Guten … und wir, die überlebt haben, wir sind die Kaputten, die Arschlöcher, die nichts auf die Reihe kriegen», sagt Antonia (Jella Haase). Sie lebt, der ihr anvertraute kleine Bruder ihrer besten Freundin starb. Haltlos driftet sie durch die Nächte, verwüstet die Gedenkstätte am Tunnel: Kerzen, grelle Trauer, Plüschteddys, Zorn, Zufall, Schuld, Sinn, Polizei. Der Mathematiker Sascha (Carlo Ljubek) hatte einmal falsch gerechnet. Das machte dann 21 Tote. Jetzt fährt er Taxi. So schlicht, so unbegreiflich. Durch die zahllosen Gespräche, welche die Autoren mit Betroffenen, Familien und Freunden geführt haben, drängt die Wahrhaftigkeit aus dem Bruchstück zu Bilde: «Herausgekommen ist kein neunmalkluges Gerichtsdrama, kein tickender Katastrophenfilm, kein Abgesang auf die Generation Rave, eben nicht das Naheliegende, sondern eine sehr besondere Lovestory, bei der es die Liebe allerdings sehr schwer hat.» (Süddeutsche Zeitung) Ohne erhobenen Zeigefinger erzählt der Film vom Gedenken und Weiterleben nach der Katastrophe und berührt dabei den Grund menschlicher Existenz zwischen Halt und Haltlosigkeit, hinter der Schuld.

Der Film erzähle «eine fiktive Geschichte der realen Tragödie und vermittelt: Genauso könnte es gewesen sein«, so die Begründung der Jury. In der Laudatio heißt es weiter: «Den Autoren Eva und Volker A. Zahn ist ein großartig dichtes, aber keineswegs überladenes Drehbuch gelungen – akribisch recherchiert, mit großer Empathie für Menschen, deren bisheriges Leben und damit ihre Zukunft durch die furchtbaren Geschehnisse gleichsam pulverisiert worden sind. (…) «Das Leben danach» ist ein hochkomplexes, hochintelligentes Trauerdrama, das sich konsequent mit den Folgen von Schuldgefühlen und der Frage von Schuld auseinandersetzt, ganz nebenbei die institutionalisierten Bewältigungsversuche aufs Korn nimmt und am Ende des Tunnels vielleicht sogar die Möglichkeit des Verzeihens andeutet.»

Auch die Kritiker hatten in den höchsten Tönen von dem tiefgründigen Werk berichtet: «Mag am Anfang bei ihren Arbeiten das gesellschaftspolitische Sujet stehen, so ist dieses Sujet doch stets in einen sozialen Kosmos eingebettet, dessen Figuren Leben atmen. Schönes, scheußliches Leben. (…) Ein Film, der zeigt, dass Trauer sich nicht per Fingerschnippen auflöst – und dass Katastrophen keine Jahrestage brauchen, um zu zeigen, wie sie in den Menschen nachwirken. Lebenszeichen aus dem Tunnel: Duisburg Calling!», urteilte «Spiegel online».

Die Serie «Zarah – Wilde Jahre» wurde ebenfalls prämiert. Ausgezeichnet wurde sie vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung mit dem Juliane Bartel Medienpreis 2018 in der Kategorie «Fernsehen, Fernsehfilm und -serie» für ihren Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter.

Eva Zahn und Volker A. Zahn erzählen mit «Zarah – Wilde Jahre» in sechs Folgen ein explosives Stück deutsche Emanzipationsgeschichte: Die engagierte Journalistin und Frauenrechtlerin Zarah Wolf (Claudia Eisinger) wird in den 70er Jahren stellvertretende Chefredakteurin einer Illustrierten. «Magazine bestimmten damals, worüber die Republik sprach. Blattmacher waren Fürsten; von Cognac und Zigaretten auf Betriebstemperatur gebracht, drehten sie das große Rad. Frauen waren Staffage.» (Spiegel online) Unter diesen Bedingungen kämpft die Journalistin um Gleichberechtigung und trifft dabei auf harten Widerstand.

«Hochkarätig», so bezeichnet Niedersachsens Gleichstellungsministerin Carola Reimann die preisgekrönte Produktion: «Die prämierten Beiträge rütteln wach und machen gleichzeitig Mut, denn sie zeigen nicht nur Missstände, sondern auch positive Beispiele, die für uns alle ein Ansporn darstellen sollten, das Thema stets im Blick zu halten».