Eine Serie von Christian Pfannenschmidt
Von «Girlfriends» zu «Herzensbrecher»

«Girlfriends – Freundschaft mit Herz» war über viele Jahre eine der erfolgreichsten Fernsehserien, die je im deutschen Fernsehen liefen. Die Zuschauer lieben sie noch immer, obwohl vor sechs Jahren die letzte Folge ausgestrahlt wurde: Man braucht sich nur die Leserrezensionen zur DVD-Box auf der amazon-Seite ansehen. Jetzt kommt «Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen», und man darf gespannt sein, denn wieder heißt es: «Eine Serie von Christian Pfannenschmidt».

So hatte man sich den neuen Pastor nicht vorgestellt, als die Bonner Gemeinde Andreas Tabarius engagierte. Denn es kommt ein alleinerziehender Vater, chaotisch, humorvoll, unkonventionell, der zu allem Überfluss gleich mit der Gemeindesekretärin aneinander gerät. Der Mann sorgt für Unruhe, statt für Seelenfrieden.
Privat sieht es nicht viel besser aus. In dem Männerhaushalt geht es seit dem Tod von Natalie Tabarius drunter und drüber. Denn nicht nur für den Vater, auch für die vier Söhne verändert sich vieles. Da ist der 20-jährige, charmante Medizinstudent Lukas, genannt «Lucky», der vor der Frage steht, weiterhin zur Familie zu halten und als Nesthocker zu gelten, oder endlich selbstständig zu sein. Mädchenschwarm Tom will das Abitur machen und tritt den Weg ins Erwachsenenleben an. Der 13-jährige Johannes wiederum steckt mitten in der Pubertät und ist der Rebell der Truppe. Schließlich ist da noch Nachzügler Jakob, sechs Jahre alt, der verwöhnte Sonnenschein, der gerade zur Schule kommt.

«Wichtig war es mir dabei», sagt Autor Pfannenschmidt, «zeitgemäße und durchaus auch relevante Probleme auf unterhaltsame Weise zu erzählen – immer mit viel Herz und einer großen Portion Humor.» Dass Norbert Himmler, der Programmdirektor des ZDF, die Serie konventionell nennt, stört ihn nicht. «Ich glaube, wir haben hier einen guten Spagat hingekriegt: Der doch recht klassische TV-Beruf ‹Pfarrer› gepaart mit einer modernen Familienkonstruktion. Im Vordergrund steht für mich das Alltagsleben – da werden sich bestimmt viele Zuschauer wiedererkennen.»

Das war bereits das Geheimnis der legendären «Girlfriends», die Pfannenschmidt kreierte: Die Geschichten sind nicht am Reißbrett entstanden, die Protagonisten keine abgehobenen Helden. Mariele Millowitsch, die mit Walter Sittler zum Traumpaar des deutschen Fernsehens wurde: «Die Figuren sind keine Kunstprodukte. Sie sind einfach authentisch und ganz normal: als Vorbilder, abschreckende Beispiele oder als Lebenshilfe.»

Realitätsnah, aber doch nicht triste Wirklichkeit – ein bisschen träumen darf man schon vor dem Fernseher und mitfiebern, dass alles gut wird. Dieser Autor liebt seine Figuren, das spürt man, und so werden sie auch für den Zuschauer rasch zu liebenswerten Vertrauten, deren Schicksal uns berührt und das wir weiterverfolgen wollen. Pfannenschmidt kennt sich mit der Architektur von Serie aus, er weiß, dass es nicht nur auf die äußere Fassade ankommt, sondern auch die Inneneinrichtung stimmig sein muss. «Meine Serie ist ein Haus, ein großes Haus, in dem – hoffentlich – alles am rechten Platz steht, ganz so, dass der Zuschauer sich jede Woche gern dort einfindet und vor allem zurechtfindet.» Beim Einrichten des Hauses hält er sich an den Grundsatz der Frau Hansson aus «Girlfriends»: «Alles peu à peu.»

Nach zehn Jahren, sieben Staffeln mit 89 Folgen, dazu einem Special und einem Spinn-Off – Pfannenschmidt schrieb sämtliche Drehbücher – war Schluss. Der Autor war weiterhin produktiv und erfolgreich. Von ihm stammen bemerkenswerte Fernsehfilme wie «Willkommen zuhause« über einen traumatisierten Afghanistan-Heimkehrer oder das einfühlsame Sozialdrama «Mandy will ans Meer». Romane, aus denen Filme wurden: «Der Seerosenteich» wurde als Zweiteiler für die ARD verfilmt; aus «Die Albertis» entwickelte er eine ZDF-Serie. Sein letzter Roman «Die Träumerin» – kleiner Tipp für Produzenten – ist übrigens noch nicht verfilmt. Aus Einzelstücken wurden Reihen, «Der Schwarzwaldhof» z. B. (unzählige Wiederholungen in allen Programmen) oder «Vorzimmer zur Hölle» (der vierte Film ist in Vorbereitung).

Aber nun wieder seit längerer Zeit eine Serie für das ZDF. Zehn Folgen sind bereits gedreht; Simon Böer spielt den Pastor Tabarius, der nicht nur Gott und Kirche im Kopf hat, sondern auch Frauen und Sex. Und natürlich die große Liebe. In weiteren Rollen lauter «Herzensbrecher»: Annika Ernst, Gerrit Klein, Maurizio Magno, Lukas Fabio Karlsch, Tom Hoßbach, Tamara Rohloff, Jochen Kolenda und Wilfried Dziallas. Sendetermin: ab November im ZDF, immer Samstag Abend.
Letzte Frage an den Autor: Christian Pfannenschmidt galt immer als «Frauenversteher», keiner kann Frauenfreundschaften (und Zickenkriege) so gut schildern wie er. Und nun ein alleinerziehender Vater mit vier Söhnen? Pfannenschmidt: «Früher habe ich immer gesagt: Frauen sind die interessanteren Menschen, und deshalb so gerne über sie geschrieben. Inzwischen weiß ich natürlich, dass es nur die halbe Wahrheit ist. Und diese andere Hälfte fing an, mich als Autor zunehmend neugierig zu machen. Kurz gesagt: Nach einer Überdosis Frauen im Fernsehen hatte ich Riesenlust, eine Serie über Kerle zu kreieren und zu schreiben.» Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: «Nach meiner Kenntnis übrigens – abseits von Krimis – die erste Männerserie im Deutschen Fernsehen!»



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